v.li: Willi Fücker (Bezirksschießmeister), Otto Müller (Bezirks-Schriftführer) ,Referent Dr. Thomas Pfeiffer (Referent –Innenministerium/Verfassungsschutz), Ralf Hoffmann (Bezirksbeamter der Kreispolizei in Rommerskirchen, der die Veranstaltung begleitete), Wolfgang Kuck (Bezirks-Bundesmeister Bzv Nettesheim),

Erich Leitner (Bezirkskönig 2009/10),

Horst Becker (Bezirks-Geschäftsführer)

07. März 2010

 

Bezirksverband Nettesheim wagt sich auch an heikle Themen!

 

Referat :

„Erlebniswelt Rechtsextremismus – Menschenverachtung mit Unterhaltungswert“

 

Zum Auftakt in die Schützensaison 2010 lud der Bezirksverband Nettesheim zu einem Informationsabend nach Frixheim ein. Bezirks-Bundesmeister Wolfgang Kuck  und der stellv. Brudermeister der in diesem Jahr gastgebenden St. Sebastianus Bruderschaft Frixheim, Wilfried Müller, konnten sich über eine gut besuchte Veranstaltung mit über 50 Teilnehmern freuen.

 

Der Vorstand des Bezirksverbandes wagte sich mit der Thematik „Erlebniswelt Rechtsextremismus – Menschenverachtung mit Unterhaltungswert“ an ein hochinteressantes – zugleich auch brisantes - Thema. Der Referent, Dr. Thomas Pfeiffer vom Verfassungsschutz im Innenministerium NRW, setzte seinem Vortrag die Aussage „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ als wichtigste Grundlage voran. Anhand von Beispielen demonstrierte er, dass mit  „Spaß“ als strategischem Instrument rechtsextremistische Gruppierungen ihre Zielgruppe  - junge Leute  - zu erreichen versuchten und darauf setzten, dass ein Schneeballefekt für die Verbreitung des Gedankenguts sorge. Zielgruppen werden mit medialen Botschaften wie Musik, Video-Clips, Comics u.ä. Medien   von rechtsextremistischen Gruppen gelockt. Hier werde mit besonders verfänglichen Werbebotschaften die Erwartungshaltung aufgebaut, Mitglied einer festen Gemeinschaft werden zu können. Dass die Hoffnung, in einer solchen Gemeinschaft Halt zu finden, als Irrglaube endet, als brutale Kluft zwischen Kameradschaft und Freundschaft, das würde dem Einzelnen zu spät bewusst. Als „Zwangsgemeinschaft“, in der „der Einzelne ein Nichts“ sei, beschreibt der Aussteiger Stefan Michael Bar die Neonazi-Szene in seiner Autobiografie. Der Weg in eine solche vermeintliche Gemeinschaft hinein sei leicht, der Weg hinaus oft ungemein schwer. Die Umwelt  muss hier Augen und Ohren offen halten, um menschenverachtende Tendenzen zu erkennen und ihnen vorzubeugen. Daher gilt  als Fazit des Referats:

  • Die „Erlebniswelt Rechtextremismus“  bestimmt die Attraktivität dieser Szene auf Jugendliche.

  • Tarnungstendenzen nehmen zu. Rechtextremismus ist nicht immer auf Anhieb erkennbar.

  • Enttarnung und Entlarvung sind daher wichtig: Was ist das Versprechen und was ist wirkliche Kameradschaft?

  • Gelebte Demokratie ist das wichtigste Mittel zur Vorbeugung gegen Rechtsextremismus.

Eine äußerst lebhafte Diskussion und viele Fragen aus den Reihen der Schützen bestätigten, dass das Thema Rechtsextremismus nicht einer „verstaubten Schublade“ entnommen ist. Der Referent nahm sich dankenswerterweise viel Zeit, Rede und Antwort zu stehen.

 

Die Schützen nahmen eine wichtige Schlussfolgerung für ihr Vereinsleben mit: die Bruderschaften bzw. die Vereine im Allgemeinen bieten die Chance, eine wirkliche lebendige demokratische Gemeinschaft vorzuleben und den Einzelnen erleben zu lassen, dass „seine Würde unantastbar“ ist.

 

Bundesmeister Wolfgang Kuck dankte Dr. Thomas Pfeiffer ausdrücklich für das hervorragende Referat. Die Resonanz zeige - immerhin beschäftigte man sich an diesem Abend über 3 Stunden mit dieser Thematik - dass man sich einig sei: Wer dieses Referat und die Möglichkeit, sich vor Ort zu informieren, nicht wahrgenommen hat, hat wirklich ein Informationsdefizit. Man muss auch über die Ortsgrenzen hinaus schauen und man kann nicht einfach davon ausgehen, dass es Rechtsextremismus bei uns nicht gibt. Gerade als Schützen stehen wir in der Pflicht, solche Strömungen erkennen zu lernen und ihnen  entgegenzuwirken.

 
 

Fotos/Text: Carola Kuck-Goergen

 

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