12. Februar 2009

 

Männerdomäne „Schützen“ wagt sich an ein sensibles Thema

„Jona“ zu Gast beim Bruderschaftstag des Bezirksverbandes Nettesheim in Anstel

 

Zum Auftakt in die Schützensaison 2009 lud der Bezirksverband Nettesheim zum Bruderschaftstag in Anstel ein. Bezirks-Bundesmeister Wolfgang Kuck  und der Brudermeister der im Jahre 2009 gastgebenden St. Sebastianus Bruderschaft Anstel, Norbert Kramer, konnten sich über eine recht gut besuchte Veranstaltung freuen. Stellvertretend für die anwesenden Könige begrüßte Kuck den Bezirkskönig Toni Esser.

 

Der Vorstand des Bezirksverbandes wagte sich mit der Thematik „Hospizbewegung – und -arbeit“ an ein sensibles- eigentlich weiblich besetztes - Thema. Die Referentin, Marion Berthold von der Hospizbewegung „Jona“ in Grevenbroich, bekannte selbst, dass die Schützen als Publikum für sie eine neue, interessante Erfahrung  war.

 

Sie stellte zunächst die Leitsätze der Hospizbewegung vor: 1.Jeder Mensch hat das Recht, in Würde zu leben und zu sterben, 2.Schwerstkranken soll ein Sterben in Orientierung an ihren körperlichen und seelischen Bedürfnissen ermöglicht werden (Hier muss betont werden, dass der Schwerstkranke die Bedürfnisse bestimmt, nicht die Umwelt), 3. Angehörige in ihrer Trauer begleiten.

 

Marion Berthold schilderte die Tätigkeitsfelder der Vereinigung Jona in vier Bereichen: 1. Sterbebegleitung (Hier sei pragmatische Hilfe genau so gefragt wie auch das Er“leben“),  2. Trauerbegleitung (Trauerfrühstück, Trauergruppen, offene Gesprächskreise für trauernde Eltern, Einzelgespräche), 3.Ausbildungsarbeit (allein bei „Jona“ sind neben zwei fest Angestellten Mitarbeitern auch 33 ausgebildete Ehrenamtler tätig, die in psychologischer und sozialer Begleitung geschult sind), 4. Öffentlichkeitsarbeit (Mitwirkung in Gremien, Referate) und 5. Vernetzung (Kooperation mit Pflegediensten, Kirchen und enges Netzwerk mit der Hospizbewegung Dormagen). Marion Berthold betonte, dass sie sich nicht aufdrängen, sondern auf eine Anforderung durch den/die Betroffenen warten. Sie empfänden sich als Gast und selbstverständlich sei das oberste Gebot der Tätigkeiten bei „Jona“ die Schweigepflicht.

 

Die Referentin ging im weiteren auf die Wünsche von Schwerkranken ein. Diese beziehen sich auf soziale (Schwinden von Außenkontakten), körperliche (ein den Schmerzen Ausgeliefertsein), psychische (Rückblicke auf das eigene Leben und Zusammenleben, Nachlass regeln, noch einmal „Danke“ sagen wollen) und religiös/ spirituelle Dimensionen (Frage nach dem Sinn des Lebens). Die Ängste der Angehörigen vor der Ungewissheit, wie es weitergehen soll, vor dem Leid und der Ohnmacht, nicht helfen zu können, die Angst vor Verlusten und der Neuorganisation des eigenen Lebens, die Angst vor dem Versagen, die Hilfe nicht bis zum Ende leisten zu können, all das schilderte sie in einer sehr feinfühligen Art. Ein zustimmendes Kopfnicken in der Zuhörerrunde zeigte, dass jeder ihre Darstellungen und Beispiele aus dem eigenen Alltag kennt und froh war, dass sie dafür letztendlich die richtigen Worte fand .Das sich an den Vortrag anschließende Gespräch zeigte deutlich, dass die Schützen sich im Inhalt des Referates wiederfanden. Als Schützenbrüder und - schwestern sind sie in ihren Reihen auch immer wieder gefordert, den „Menschen neben sich“ wahrzunehmen und zu stützen. Zuwendung zeigen und gleichzeitig Distanz wahren ist die wichtigste Regel, um überhaupt helfen zu können.

 

Bundesmeister Wolfgang Kuck dankte Marion Berthold ausdrücklich für das hervorragende Referat. Die Resonanz zeige, dass sie Inhalte sehr beeindruckend dargestellt habe. Er und sein Stellvertreter Matthias Schlömer fassten das Fazit noch einmal zusammen : Helfen tut einem selbst gut, ganz gleich ob in der Nachbarschaft, in der Bruderschaft oder in einem anderen sozialen System.

 

Das, was man im menschlichen Miteinander gibt, ist oft Belastung, erst recht in der Sterbebegleitung, aber man bekommt auch viel zurück. In diesem Sinne empfanden die Schützen den Vortrag und das Gespräch als Bestätigung ihres Tuns und als Motivation für die Zukunft.

 
 

Fotos/Text: Carola Kuck-Goergen

 

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